Montag, 8. Mai 2017

System Matters?!? Weil es kommt ja auf die richtigen Leute an?

Kürzlich ist in einer Facebook-Gruppe eine Diskussion entbrannt, ob das System eigentlich eine Rolle spielt. So von wegen Spielspaß und so. Weil, mit den richtigen Leuten - mit denen hat man doch immer Spaß, ne? 

Meine kurze Antwort darauf:

Wer meint, dass das System keine Rolle spielt und für die Spielerfahrung egal ist, hat noch niemals in ihrem Leben eine Hausregel gemacht.

Denkt doch mal darüber nach, warum ihr Hausregeln macht.

(Oder warum es überhaupt mehr als ein Rollenspielregelwerk gibt, jetzt mal von wirtschaftlichen Gründen der Verlage abgesehen.)

Außerdem:

System Matters war nie die Behauptung einer Monokausalität.

Jede die sagt:

Es kommt nicht auf das System an, sondern auf die richtigen Leute oder Es kommt nicht auf das System an, sondern auf das Setting macht aber genau das: Sie baut eine Monokausalität auf, womöglich in der vermeindlichen Abwehr einer anderen Monokausalität (es kommt auf das System an, das ist aber nicht die Übersetzung von System Matters, sondern: das System spielt eine Rolle).

Man kann also sagen:

Das System spielt eine Rolle und die Leute spielen eine Rolle und das Setting spielt eine Rolle (und die Kampagne spielt eine Rolle und die Spielräumlichkeiten spielen eine Rolle und die Tagesform spielt eine Rolle und und und).

Und jetzt gerade höre ich laute Musik von meinem Nachbarn über mir: Johnny Cash, Hurt. Das spielt zum Beispiel auch gerade eine Rolle, etwa beim Schreiben dieses Artikels.

Und man unterscheide bitte Spielspaß von Spielerfahrung.

Natürlich können zwei Systeme gleich viel Spaß machen.

Das Argument ist doch, dass sie einen Einfluss auf die Spielerfahrung haben.

Ich kann auch in zwei verschiedene Filme gehen und gleich viel Spaß haben. Vielleicht habe ich auch in dem einen Film viel gelacht und in dem anderen geweint. Ich würde aber nicht sagen, dass es egal ist, welchen Film man guckt, nur weil ich beide gut fand.

Natürlich spielt da die eigene Rollenspiel-Biographie eine wichtige Rolle in der Einschätzung von System Matters. Wer etwa nur sich in ihren Prämissen sehr ähnliche Spiele kennt, die wird womöglich eher die Gemeinsamkeiten feststellen als die Unterschiede. (Und selbst da gibt es Spieler, die bestimmte Systeme aus diesen und jenen Gründen bevorzugen.) Dagegen gibt es Spiele, die sich in ihren Prämissen stark unterscheiden und die eine sehr unterschiedliche Spielerfahrung erzeugen. Wenn man etwa DSA (oder Splittermond oder Pathfinder) mit dem Geisterjägerrollenspiel Inspectres vergleicht.


Im Mainstream sind überwiegend umfangreiche Regelwerke zu finden, mit vielen Charakteroptionen und detaillierten Regeln. Wechselt man nur zwischen solchen Systemen, ist das ein bisschen, wie wenn man nur Hollywood-Blockbuster schaut. Da sind natürlich tolle Systeme bei, manchmal vielleicht ein Flop. Aber man wird dann nie einen Woody Allen sehen, einen Bollywood-Film, ein französisches Sozialdrama oder eine deutsche Komödie - oder Klassiker aus vergangenen Jahrzehnten.

Natürlich kann man sagen:

Ich mag aber Hollywood-Blockbuster! 

Q.E.D.

1 Kommentar:

  1. Eine Zeit lang dachte ich ja, das wäre wie ein totes Pferd treten, weil die Sache schon lange geklärt war (also dass das system mattert), aber wenn sich die alten Abwehrhaltungen noch so gut halten oder vergrößern (?) können, dann müsste ich mir Gedanken um die zukünftige Spielbarkeit von RPG machen.
    Also ich weiß jedenfalls nicht, wie man mit jemandem spielt, dem alles außer sein Spaß egal ist.

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