Montag, 22. August 2016

Der D30 Sandbox Companion - Ein kurzer Eindruck

Ich schwärme gerade ganz doll für den d30 Sandbox Companion, eine Spielhilfe für den Spielleiter von Open-World-Rollenspielen/Sandboxes. Es handelt sich um eine Sammlung ganz unterschiedlicher Werkzeuge und nützlicher Dinge, um das old-school-lastige Spiel zu erleichtern, dem Spielleiter Arbeit abzunehmen, Inspirationen zu liefern oder einfach nur sein Spiel besser organisieren zu können.

Vorweg: Die Spielhilfen sind größtenteils universell und systemneutral. Nur manche nehmen Bezug auf den Regelkern der Old-School-Renaissance. Vieles lässt sich aber auch für andere Systeme verwenden. Die Tabellen sind aufgeräumt und übersichtlich.

Mein Ausdruck im Ordner mit W30

Spielhilfen, die das Spiel leichter organisieren, sind zum Beispiel Worksheets für Siedlungen, Übersichtsblätter für NPCs oder auch eine Sammlung mit Icons für Hexfeld-Karten. Ich finde sie nützlich zu haben, aber solche Dinge kann man auch selbst erstellen oder anderswo finden. Trotzdem ganz nett - ich finde sie auch gelungen und verwende sie.

Es ist auch ein Abenteuergenerator enthalten. Dies ist ein Werkzeug, mit dem der Spielleiter Inspirationen für ein Abenteuer oder eine Spielsitzung entwickeln kann. Über 2 Seiten sind insgesamt 10 Tabellen verteilt mit jeweils 30 Einträgen (es wird auf allen Tabellen mit einem W30 gewürfelt). Dabei handelt es sich nicht um einen strengen Generator der ein fertiges Abenteuer liefert, sondern der vor allem Ideen für den Spielleiter liefern soll. Es kann zum Beispiel folgendes heraus kommen:

Auslöser ist ein Manuskript. Ziel soll es sein, eine Person von einer Last zu befreien. Dies sind nun nur die Ergebnisse zweier Tabellen und natürlich rattert da schon das Hirn los: Ist vielleicht das Manuskript eine Bürde für jemanden? Enthält es Geheimnisse? Oder ist das Manuskript vielleicht die Lösung, jemanden von seiner Bürde zu befreien, weil hierin eine besondere Wahrheit enthalten ist? Mir fehlt noch ein Bösewicht, also würfle ich auf die passende Tabelle: Heraus kommt, dass jemand von Schuld angetrieben wird und darum etwas Böses tut. Langsam nimmt es Form an, dieses Manuskript könnte Aufschluss über eine Schuld geben. Vielleicht hat der Bösewicht jemanden umgebracht, um aus seiner finanziellen Misslage zu gelangen, vielleicht... also, so in etwa kann der Prozess, hiermit ein Abenteuer zu generieren, stattfinden. Und dies war nur die Nutzung von drei von zehn Tabellen!

Den Großteil machen aber die Werkzeuge rund um Wildnis und Nichtspielercharaktere aus.


Man kann Abweichungen von der geplanten Strecke bestimmen, man kann Tempel und Ruinen auswürfeln, Begegnungen auf der Straße, sogar an einen tollen Generator für Heraldik und Wappen haben die Autoren gedacht. Für Nichtspielercharaktere kann man erwürfeln, was für Henchmen in einer Stadt verfügbar sind, was die Motivation eines Nichtspielercharakteres ist oder was für physische oder mentale Eigenschaften er hat. Nett sind auch Tabellen, mit denen man mal schnell ein Inventar eines Nichtspielercharakteres auswürfeln kann.

Diese Werkzeuge sind es, die für mich den größten Nutzen des Sandbox Companions ausmachen. Ich kann schnell einen Ort oder eine Person mit verschiedenen Eigenschaften versehen oder Details und bringe so mehr Abwechslung und Detailreichtum ins Spiel. Als Beispiel möchte ich da eine Werkzeug nennen, mit dem man natürliche Phänomene oder Geländeeigenschaften auswürfeln kann. Dies ist sehr abwechslungsreich und ich bin mir ziemlich sicher, dass ich auf lange Sicht damit viel mehr bieten werde als das typische Steppe-Wiese-Wald-Hügel, da ich an die kleinen Details, dies geben könnte, oft einfach nicht denke.

Gerade leite ich ein Abenteuer, in dem es um eine Gruppe Pilger geht. Diese Gruppe Pilger habe ich auch mit dem Companion ausgewürfelt, der dafür eine eigene Tabellensammlung bereit stellt. Wie viele Pilger sind es? Wie viele Kleriker sind in der Gruppe? Wie viele Kämpfer und wie viele Diebe (und sind die Diebe vielleicht Assassinnen)? Ach, und zu was für einem Kult gehören die Pilger eigentlich? Dafür gibt es ja einen eigenen Generator! Und wieder einen habe ich natürlich genutzt, um den Anführer auszuwürfeln. Und mit all dem brauche ich mich kreativ gar nicht mehr anstrengen oder bemühen, denn was nun nur noch fehlte war, alles mit einander zu verbinden und einfach laufen zu lassen. Angenommen die Diebe in der Pilgergruppe sind Assassinen, gehören die dann wirklich zu den Pilgern oder haben sie es vielleicht auf die Pilger abgesehen? Verfolgen sie ein eigenes Ziel? Gehören sie vielleicht sogar einem anderen Kult an (den ich vielleicht nicht mehr auswürfle, sondern bei dem ich schon eine Idee habe, wie der beschaffen sein könnte)? Und wenn die Spieler anfangen, Leute zu befragen, die ich nicht vorbereitet habe... mit dem Companion sind schnell Details bestimmt, die ich wieder nutzen kann und die mich auch als SL selbst überraschen können – auch für mich gibt es so etwas im Spiel noch zu entdecken.

Nicht jeder braucht solche Werkzeuge oder nutzt sie gerne. Für mich stellen sie eine große Hilfe dar und der Sandbox Companion ist in meinen Augen eine tolle Zusammenstellung gut funktionierender Werkzeuge, die ihr Geld allemal Wert sind.

Das PDF kann von New Big Dragon Games Unlimited kann man hier erwerben: http://drivethrurpg.com/product/124392/d30-Sandbox-Companion