Mittwoch, 18. November 2015

Meine Freizeit ist mir zu kostbar, um sie meinem Hobby zu widmen

Heute soll es mal um einen Anspruch gehen, den ich an Mitspieler stelle. Ich erwarte nämlich, nun ja, ein gewisses grundlegendes Interesse an der Rollenspielrunde und daran, dass sie gut läuft. Dazu gehört auch die Bereitschaft, sich mit den Regeln auseinander zu setzen.

Manche Spieler schnappen alle nötige im Spiel und den Erklärungen der regelkundigen Spieler oder des Spielleiters auf. Es ist gar nicht nötig, alle Regeln auswendig zu lernen. Viele moderne Spiele richten sich auch an solche Spieler – es gibt inzwischen ein Angebot an leicht eingängigen Spielen, die ohne lange Listen und jeder Menge Crunch auskommen.

Wenn Spieler im Spiel lernen, das Spiel zu lernen, ist das vollkommen ok für mich und ich bin zufrieden.

Aber was, wenn Spieler dies nicht auf die Reihe bekommen? Die Lösung ist dann normalerweise, sich zuhause mit dem Regelbuch hinzusetzen und es zu lesen – genau das zu tun, was die Spieler vom Spielleiter als Selbstverständlichkeit erwarten. Es gibt Spieler, die das tun. Dann ist alles bestens.

Problematisch wird es jedoch, wenn Spieler dies nicht tun. Die Spieler, die davon ausgehen, dass ihr Hobby daraus besteht, zum Spieltermin mit einem Charakterbogen und ein paar Würfeln zu erscheinen und die sich überhaupt nicht vorstellen können, dass der Spielspaß der Mitspieler darunter leiden könnte, wenn man die Regeln nicht beherrscht, ständig Nachfragen stellt, womöglich gar dann noch zum besten gibt, dass man das aber „doof“ findet und insgesamt der Spielfluss aufgehalten wird. Die es auch gar nicht als ihre Aufgabe sehen, sich mal mit den Regeln auseinander zu setzen. Für die das Hobby daraus besteht, dass man sich doch trifft und dann „Rollenspiel macht“ – das hat ja nichts mit Regeln zu tun.

Mit manchen dieser Spieler spiele ich trotzdem gerne, darum greift „Spiel nicht mit Idioten“ nicht, möchte aber auch, dass die Rollenspiele und Regelwerke entsprechend ausgewählt werden. Diese Paradoxie aus „ich lese die Regeln nicht“ und „diese Regeln finde ich aber schlecht“ steht dem leider manchmal zuwider.

Ich kann nun nicht in die Köpfe der Spieler hineinschauen. Was ich grundlegend nicht verstehe, ist, wieso bei manchen Rollenspielern, die wirklich gerne rollenspielen, so wenig Bereitschaft besteht, sich außerhalb des eigentlichen Spiels mit ihrem Hobby auseinanderzusetzen?

Ist es so schlimm, in seiner Freizeit mal ein Regelbuch aufzuschlagen?

Ist es so schrecklich, sich seinem Hobby zu widmen, wenn man alleine ist?

Ist es so grausig, mal eine halbe Stunde den Fernseher auszumachen, vom Internet abzulassen, ein Buch beiseite zu legen um mal nachzuschauen, wie noch mal die Kampfregeln funktionieren, damit man nächstes Mal nicht wieder fragen muss „kann ich auch laufen und dann noch angreifen“?

Heute mal ein wenig ärgerlich-nachdenklich,
Der Narr.

Kommentare:

  1. Das ist auch eine Frage es Spielstils.
    Wie regelschwer sind denn die Systeme, die du leitest?
    Schonmal probiert regelleichtere Systeme anzubieten?

    DSA4 z.B. hat mir das Spiel mit regellastigen Systemen auf Dauer vermiest. Mit Fate Core und Savage Worlds bin ich viel glücklicher geworden.

    Gruß
    Thallion

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  2. Meiner Beobachtung nach ist das auch (nicht nur) eine Frage des Systems, bzw. der Komplexität des Systems. Selbst der regelfaulste Spieler kommt mit Advanced Fighting Fantasy, TWERPS oder RISUS klar, bisweilen auch noch mit M20.

    Es gibt einfach Spieler, deren Hobby ist nicht RollenSPIEL, sondern ROLLENspiel. Die sagen "ich arbeite mich gerne in dein Setting ein, lerne Genealogien auswendig, lerne historische Ereignisse, lerne deine NSCs zu unterscheiden, aber bitte, bitte, verschone mich mit Zahlen und Schwierigkeiten und Squares und AOO und Modifikatoren und Ticks - sag mir einfach, was ich würfeln soll."

    Wenn man häufig Einsteigerrunden anbietet, lernt man mit der Zeit die verschiedensten Motivationen kennen, sich Leute zu diesem Hobby treiben. Und keine davon ist "falsch".

    Ich kenne DSA'ler, die haben unzählige Abenteuerpunkte, die sie nicht ausgeben, weil es ihnen egal ist, wie ihre Talentwerte in Kuchenbacken sind.

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  3. Tja, de facto hat jeder Rollenspielertypus seine Berechtigung - kompliziert wird es halt dann, wenn verschiedene Typen aufeinandertreffen. Deswegen sollte man von vornherein klären, was man voneinander erwartet und, falls diese Erwartungen sich widersprechen, rechtzeitig im Guten auseinandergehen. Rollenspiel ist halt kein Hobby wie Einzelsport (Joggen, Fitnessstudio etc.), sondern vielmehr ein Mannschaftssport - und dann muss ich auch regelmäßig zum Training kommen um mitspielen zu können, sogar in sogenanten "Freizeitligen".
    Zu den Kommentaren meiner "Vorredner":
    Als Spielleiter favorisiere ich z. B. Systeme mit reichlich fluff und ordentlich crunch, d. h. regeltechnisch absolut leichte "Erzählrollenspiele" würde ich nie spielen. Deshalb trete ich aber auch keiner solchen Gruppe bei und behellige keine Spieler, die gerade solche Systeme lieben. Nervtötend sind halt Spieler, die keinen Bock auf ausufernde Regeln haben, aber dann unbedingt Shadowrun oder ähnlich komplexe Systeme spielen wollen, weil das "Setting so geil ist". Das Eine geht halt nicht ohne das Andere und da muss sich meiner Meinung nach vor allem der Spieler entscheiden und nicht der SL anpassen. Letzterer muss höchstens irgendwann die Reißleine ziehen, wenn die Regelunkenntnis/Regelunwilligkeit eines Einzelnen zu Lasten der gesamten Gruppe geht. Ist natürlich auch immer eine Frage der Ausprägung, d. h. WIE sehr dies die Gruppe nervt und wie sehr die Gruppe diese(n) Spieler(in) als Person mag.

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  4. Ich stimme zu, dass es keine Systemfrage ist. Wenn sich ein Spieler nicht richtig mit dem Spiel beschäftigt, dann liegt vrmtl. bereits ein Kompromiß vor und der Spieler möchte etvl. lieber etwas anderes tun als seine Freizeit mit RPG zu verbringen.
    Dann gibt es aber auch Spieler, die RPG als Entspannung sehen und eine RPG Runde wie ihren Yogakurs besuchen (u.A. ROLLENspieler) und der einzige, der Arbeit ist, der Trainer ist. Das ist erstnal nicht schlimm, allerdings könnte man als SL dann in Erwägung ziehen, sich für den Aufwand entschädigen zu lassen ;)


    PS. FATE ein Leichtgewicht... Habe gut gelacht :-D

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