Sonntag, 15. November 2015

Ein Settingbuch wie kein anderes – Perry Rhodan Weltraumatlas Bd. 1

Ich möchte heute ein Buch vorstellen, dass mich in meiner Kindheit begeisterte. Es lag damals schon lange bei uns herum, erschienen ist es 1980 und es gehörte eigentlich meinem Bruder, der ein paar Jährchen älter als ich war. Es ist mir noch gut in Erinnerung, wie ich anfing darin zu blättern - und zu malen - und später auch, darin zu lesen. Ich muss gestehen, ich glaube, damals war mir anfangs nicht klar, dass alles darin Fiktion sei ;).

Es geht hier um den Perry Rhodan Weltraumatlas Bd. 1 aus dem Jahr 1980, geschrieben von Peter Griese mit Zeichnungen von Josef Dienst, erschienen im Moewig Verlag.


Was meine kindheitliche Verwirrung zu Fiktion und Realität angeht, so muss ich zu meiner Verteidigung sagen, dass dieser großformatige 250-Seiten-Wälzer für ein Space-Opera-Setting auch einige Informationen bringt, die man eher von einem Hard-Scifi-Setting erwarten würde, so gibt es ein eigenes Kapitel zur Einführung in die Astronomie. Hier wird nicht nur auf die Kosmologie alter Griechen, auf Kopernikus, Kepler und Hubble eingengangen, sondern es wegen sogar Typen von Galaxien und vorgestellt oder nahe Galaxiengruppen.


Der Hauptteil dieses Werkes sind jedoch nicht diese astronomischen Grundlagen, eine Vorstellung der Hefte 1-500 der Perry-Rhodan-Reihe oder auch nur der Galaxien. Den Großteil machen auf über 150 Seiten die Vorstellung von Sternsystemen aus. Jeweils zwei Seiten Text wird eine Abbildung zur Seite gestellt. Und wow, allein diese Abbildungen sind faszinierend, machen neugierig und versprechen ein riesiges, fantastisches Universum voller Entdeckungen und Abenteuer.

 

 „Die Zeichnung zeigt die Oberfläche von Kahalo mit dem Großen Kahal, den Planeten Flooth und in der Ferne den gigantischen Sonnensechsecktransmitter.“


Die Beschreibungen dieser Sternsysteme liefern Informationen über die Spektralklasse des Sterns, die Entfernung von Terra (hier in der unteren Abbildung z.B. das Orbon-System, 51222 Lichtjahre von der Erde entfernt, ein gelber Normalstern) sowie die Anzahl der Planeten und wieviele von ihnen relevant sind. Bleiben wir beim Beispiel Orbon: Wir erfahren, dass auf Planet 2 ein Insektenvolk, die Flooths, lebt, das gegen die Kahals Krieg führt. Planet Nr. 3 hingegen ist ein paradiesischer, sauerstoffreicher und wasserreicher Ort, der auch auf der Zeichnung zu sehen ist. Der Große Kahal ist ein, so erfahren wir, ein Heiligtum der „Bigheads“. Verknüpft werden die Erläuterungen mit einer Anbindung an die Perry-Rhodan-Hefte. Wenn man die jeweiligen Zyklen nicht kennt, kann man nur vermuten, was sich dahinter alles verbergen mag – in positivem, die Kreativität anstachelndem Sinne.

Dies soll nur ein kurzer Einblick in dieses Buch sein und keineswegs eine ordentliche Rezension. Um es noch einmal klarzustellen: Dies ist kein Rollenspielprodukt, es erschien damals wohl als Begleitmaterial zu den Perry-Rhodan-Heften. Ich selbst habe nie ein Perry-Rhodan-Heft gelesen, trotzdem fasziniert mich dieses Buch nun seit bald 30 Jahren. Selten habe ich so viel Kreativität auf so engem Raum gelesen.

Eine große Bereicherung für dieses Buch wären sicher Universelle System- oder Planetenprofile im Stile Travellers gewesen oder auch des Computerspiele-Klassikers Elite. Ich wünschte, es gäbe Quellenbücher für Rollenspiele wie dieses. Sicher fehlt noch einiges, um hieraus ein vollständiges Setting zu machen - es fehlen Informationen zu Technologie, zu Raumschiffen, zu Aliens, zu Machtgruppen und Fraktionen, zu politischen und ideologischen Ideen... Aber es ist ein Anfang, den man sich vielleicht zum Vorbild nehmen kann.

Kommentare:

  1. Wow, das ist bestimmt ein Sammlerstück.

    Die Zeichungen haben mich damals auch in Perry Rhodan reingezogen. Und beim Lesen dann die riesigen Maßstäbe in der alles geschieht (Sonnensechsecktransmitter, jaja). Dabei geht's immer um das Unbekannte und die Entdeckung aus Sicht einzelner Personen (oft Perry Rhodan), die das alles nicht überblicken können und es wird auch nicht alles aufgeklärt. Demnach fehlt diese Draufsicht, die dem Leser alles ausbreitet und das reaktionäre Politische, fast völlig.
    Fast wie bei einem Rollenspiel kommt man sich da wie ein Begleiter auf der Schiffsbrücke vor, der die Ereignisse miterlebt. Habe die ersten 100-200 Hefte gelesen und zwischendurch mal welche bis ca. 500.
    Habe um Heft 2.500 nochmal einen versuch gestartet mit dem Andromeda-Zyklus, fande das angepasste, politisch korrekte Geschreibsel aber furchtbar und der Pulp-Flair war völlig weg.

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  2. Leider ist es für ein Sammlerstück zu schlecht erhalten. (Bemalt, Seiten herausgerissen, ein, zwei Blätter fehlen sogar.) Ich habe es vor kurzem aus dem Keller meiner Eltern gerettet, die hätten es wahrscheinlich sonst bald weggeschmissen.

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