Sonntag, 12. Oktober 2014

Eilmeldung: GREATEst game of ALL TIME bei Kickstarter!!!!

Kickstarter und Indiegogo - in der Rollenspielszene ist es nicht mehr unüblich, ein Produkt mit Crowdfunding zu finanzieren, darüber Vorbestellungen zu ermöglichen oder es auch als Werbemaßnahme zu verwenden. Es ist derzeit wohl kaum leichter, im Vorfeld auf ein Produkt aufmerksam zu machen, als einen gut gemachten Kickstarter zu platzieren. Es können auf diese Weise sehr früh schon Spielerschaften gewonnen werden.

Dies hat nun auch ein Satire-Projekt ins Leben gerufen, in dessen Zuge das "PDF of the most awesome PDF ever" (5$-Pledge) entstehen soll:

50 sHAdes of VORpal


Ich habe es mir nicht nehmen lassen, das Projekt zu unterstützen und werde berichten, ob und was da wohl kommen mag. Der Projektstarter hatte jedenfalls ein unschlagbares Argument: "d&D sucks and this is the GREATEst game of ALL TIME. I know, because I made it." – Wer wird davon bitte nicht überzeugt?

Es ist nicht das erste Rollenspiel-Crowdfunding-Projekt, das ich unterstütze. Ich habe bereits u.a. erfolgreich Projekte von Lamentations of the Flame Princess, Shadows of Esteren und Eden Studios (Conspiracy X, All Flesh Must Be Eaten) unterstützt. Insbesondere die Projekte von Eden Studios gehörten zu den ehrlichsten Projekten, die ich erlebt habe - hier fehlte zum Teil einfach tatsächlich das Geld, fertige Bücher drucken zu können. Dementsprechend zurückhaltend war man mit den Stretch Goals. Ganz anders sah es mit Shadows of Esteren aus, wo Stretch Goals zu einer Menge Zusatzmaterial führen können, aber auch sehr viele unterschiedliche Backer-Level geboten sind. Hier spielte der Kickstarter sicher auch eine wichtige Rolle im Zuge des Marketings.

Es gab auch schon Crowdfunding-Projekte, die zu langen Verzögerungen und Enttäuschungen führten. Eines dieser Projekte, der Megadungeon Dwimmermount, ist erst kürzlich mit einer Veröffentlichung belohnt worden. Far West – ein Wester-Wuxia-Mash-Up-Game – mit über 700 Backern und einer Summe von fast 50.000$, "successfully funded on August 25, 2011", lässt immer noch auf sich warten.

Meine Meinung: Wenn ich ein Projekt unterstütze, interessieren mich keine T-Shirts oder Tassen. Ich möchte in der Regel das Buch oder das PDF oder beides und Extras oder Stretch-Goals sollten sich auf das Produkt beziehen. Ich will aber auch nicht mit Versprechen zugekleistert werden - dieses vorgeschobene Fanboytum ist nicht mein Ding.

Mittwoch, 1. Oktober 2014

Port Solar - Kapitel I

Orte zu entwerfen ist einer der Aspekte der Vorbereitung für eine Spielsitzung, die mir besonders viel Vergnügen machen. Und ich habe auch immer an Bedarf an neuen Orten. Erst kürzlich stand ich in der Not, einen kleinen Schauplatz in einer namenlosen oder beliebigen Fantasy-Welt zu schaffen, der nur als ein wenig Hintergrund für ein Labyrinth-Lord-Abenteuer in einer Lamentations-of-the-Flame-Princess-Testrunde dienen sollte - ohne dass ich gleich den Ballast eines ganzen Settings mit mir herumschleppen wollte. Insofern lässt sich das hier beschriebene Städtchen wohl auch leicht in verschiedene Fantasy-Settings portieren, kann aber auch als eine Art „Luftblase“ nur für einen Oneshot dienen, wie in meinem Fall.

Ich möchte aber nicht nur eine kleine Location beschreiben, sondern ich möchte auch erläutern, wie ich sie erstellt habe. Erläuterungen dieser Art werde ich im Folgenden – wie diesen Text auch – farblich hervorheben. Die Idee kam mir zum einen, weil ich kürzlich Never Unprepared: The Complete Game Master’s Guide to Session Prep heftigst kritisiert habe und nun die Diskussion zu Prepping suche, die mir dort nicht geboten wurde, zum anderen aber auch, weil ich das Posten reiner Spielmaterialien für einen Blog ungeeignet finde – ich habe selbst so etwas lieber als Download.


Orte und Locations“ ist das Thema des Karnevals der Rollenspielblogs im Oktober 2014 – ein wie ich finde äußerst dankbares Thema, zu dem ich gerne produktiv bin.

Den Startpost findet ihr bei Richtig Spielleiten! und natürlich gibt es auch wieder einen zugehörigen Forenthread.


Port Solar ist ein kleines Hafenstädtchen an der Sonnenküste gelegen. Es findet reger Handel statt, da es eine wichtige Verbindung der Westländer mit den östlichen Ebenen darstellt. Damit einher geht natürlich eine Vielzahl an üblen Spelunken und rauen Gesellen in der Stadt, aber auch reicher Pfeffersäcke und Bürokraten. In der Stadt ist ein Magierorden, der Rote Turm, heimisch. Es gibt einen Zoo mit exotischen Tieren, eine Garnison der königlichen Armee – und gefährliches Umland. Die Königsstraße ist zwar ausgebaut und wird bewacht, aber im Süden der Stadt befindet sich der Sumpf der Tausend Schrecken des Enora-Deltas, im Nordosten erstreckt sich der Tote Wald, der von schwarzen Kobolden besiedelt wird, die nachts aus ihren Höhlen gekrochen kommen und dunkle Rituale auf den geheimnisvollen Dunklungen des Waldes abhalten.

Dies ist ein typisches Beispiel dafür, wie ich arbeite und vorgehe, wenn ich einen neuen Ort entwerfe. Diese Beschreibung ist nicht einfach Teil eines längeren Schaffensprozesses, sondern sie spiegelt den Prozess schon ein Stück weit wieder. Ich habe einige Orte kursiv hervorgehoben – und weiß zu diesem Zeitpunkt nicht mehr über diese Orte als ihren Namen! Einfach nur Begriffe zu brainstormen gelingt mir nicht gut, merkwürdigerweise geht es mir oft leichter von der Hand, einfach einen ganzen Text zu brainstormen. Die Begriffe die darin auftauchen zwingen mich nun dazu, kreativ zu werden und dienen als Hilfe. Das Bild - Public Domain - habe ich über die Google Bildersuche gefunden. Es gibt so viele tolle, rollenspieltaugliche Bilder, die Public Domain sind über Google auffindbar!

Sonnenküste, Westländer und die östlichen Ebenen
Die Westländer bezeichnen über Land schwer zugängliche Gebiete im Westen des Kontinents, die jedoch leicht über ein Binnenmeer mit Öffnung zum großen Ozean erreicht werden können. An der Sonnenküste herrscht mediterranes Klima, die vielen Sonnenstunden und die Nähe zum Wasser lassen hier goldene Früchte und einen fröhlichen Menschenschlag gedeihen. Neben den ausgezeichneten Bedingungen für die Landwirtschaft profitieren die Städte der Sonnenküste von ihrer idealen Lage als Umschlagplatz für Handelswaren zwischen den Westländern und den Völkern der östlichen Ebenen. Bislang konnte die Sonnenküste ihre Unabhängigkeit gegenüber beiden wahren, doch wird das immer so bleiben?

Hier habe ich gemerkt, dass ich es anscheinend mit gröberen geographischen Angaben zu tun habe. Ich hätte aus den Westländern auch einen anderen Kontinent machen können. Insgesamt hört sich das alles noch sehr idyllisch an, doch der letzte Fragesatz bringt erste Dissonanzen ein. Bahnt sich hier etwa ein Konflikt an? Wie auch immer, ich hatte den Eindruck, dass diese entfernteren Gebiete nur einen Rahmen liefern sollen für spannendere Dinge.

Die Königsstraße verbindet Port Solar mit den östlichen Ebenen. Es handelt sich um eine breite, gepflasterte Straße, die noch aus den Zeiten des vergessenen Imperiums stammt. Dementsprechend zeigt sie deutliche Spuren der Verwitterung und es ist längst nicht mehr möglich, sie so sehr zu pflegen, wie sie es nötig hätte. Doch sie scheint für die Ewigkeit gebaut zu haben und noch heute überspannen Jahrtausende alte Brücken Flüsse und Ströme. Es heißt, die Königsstraße reiche bis in das Zentrum der östlichen Ebenen und weit darüber hinaus, aber kein Einwohner Port Solars dürfte diese Strecke jemals gegangen sein.
Es findet sich der ein oder andere wehrhafte Hof, der auch als Herberge dient und bei dem sich oft auch ein Hufschmied oder andere Handwerker für notwendige Reparaturen angesiedelt haben, auf der Straße. Soldaten und Ranger patrouillieren die Straße und beobachten die Wanderungen der Monster der Gegend, um die Reise für Händler sicher zu halten.

Die Straße führt weg aus Port Solar, aber offensichtlich geht es mir eigentlich um die nähere Umgebung und das Städtchen selbst. Beschließen die Spieler, die Stadt auf diesem Weg zu verlassen, weiß ich, was für Begegnungen sie haben könnten (Patrouillen, Monster, Herbergen, Händler).

Das Enora-Delta und der Sumpf der Tausend Schrecken – Ah! Endlich wird es spannend! Enora ist offensichtlich ein Fluss, der in der Nähe Port Solars in die See mündet. Aber was mag es mit dem Sumpf der Tausend Schrecken auf sich haben? Dies zu überlegen, überlasse ich dem geneigten Leser! Man darf schließlich auch mal keine Idee haben, oder? 

Der Tote Wald im Nordosten Port Solars ist ein großes Geheimnis, denn niemand weiß, was diesem Wald zugestoßen ist, welcher schreckliche Fluch ihn getroffen haben mag. Man findet dort nur tote, versteinerte Bäume, leblose, verbrannte Erde und den Geruch von Tod und unendlich langsamer Verwesung. Die Bäume werfen jedoch unnatürliche Schatten, es scheint fast, als sei der Wald von einem Schleier umgeben – man muss sich nur wenige Schritte in ihn hineinbegeben und es wird spürbar dusterer und kälter.
Es fließt kein Wasser in diesem Wald, findet man einen Teich oder Tümpel, ist er vergiftet oder zerfrisst alles, was mit ihm in Berührung kommt. Manch ein armer Gesell, der sich im Toten Wald verirrte und zu verdursten drohte, trank die warme gelbe Brühe, die sich in diesen Tümpeln findet, nur um seine eigenen Eingeweide und Organe von innen heraus zu verätzen und einen schrecklichen Tod zu sterben.
Unter dem Toten Wald befindet sich ein Netz von Tunneln, Höhlen und Kavernen, in denen die Kobolde hausen und wer weiß, was sonst noch für Unholde und Dunkelwesen. Für gewöhnlich verlassen Kobolde nur nachts ihre Höhlen, doch diese Kobolde sind anders, wie der Wald anders ist. Sie trauen sich auch tagsüber nach draußen, huschen durch die Schatten, um nach Opfern zu suchen und sie zu beobachten. Nachts rotten sie sich dann zusammen, fletschen ihre Zähne, wetzen die Messer und machen sich auf, ihren Blutdurst zu stillen...
Hat man Pech, gerät man auf eine der geheimen Dunklungen, von denen manch ein halb wahnsinnig gewordener Abenteurer erzählt, der sich in der Hoffnung auf Schätze und Reichtum in den Wald begeben hat – oder der das Geheimnis seines Fluches lüften wollte, um unsterblichen Ruhm zu ernten, wenn er den Wald davon befreit. Auf den Dunklungen herrschen die Schatten und werden lebendig, vor Urzeiten gestorbene Götter sprechen hier zu den Menschen und ziehen sie in ihren Bann, verlangen nach Blut und Opfern und sehnen sich nach der Auferstehung.

Ich habe keine Ahnung, wie es euch geht, aber ich weiß: Testabenteuer hin oder her, meine Spieler werden dem Toten Wald irgendwann, irgendwo begegnen. Ach ja, spätestens hier sollte klar sein: Ich liebe Klischees.

Ich bin unglaublich schlecht darin, Karten zu malen. Hier seht ihr einen stümperhaften Versuch, die Umgebung von Port Solar vorzustellen und das auch noch ohne Maßstab!

An dieser Stelle möchte ich erst einmal Schluss machen – denn die Beschreibung der Stadt Port Solar selbst wird das zweite Kapitel meines Beitrags zum diesmonatigen Karvel der Rollenspielblogs.